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Recht & Steuer

Kehrwoche

Süddeutsche Tradition der mietergeführten Treppenhausreinigung im Wochenrhythmus.

Definition

Die Kehrwoche ist eine vor allem in Baden-Württemberg, Bayern und der Schweiz verbreitete Tradition, bei der die Mieter eines Mehrfamilienhauses sich wochenweise mit der Reinigung des gemeinschaftlich genutzten Treppenhauses und der angrenzenden Außenflächen abwechseln. Sie ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, sondern wird per Mietvertrag oder Hausordnung als Mieter­pflicht festgeschrieben, mit oft minutiösen Vorgaben (welche Flächen, welche Reinigungsmittel, welche Abstände). In den vergangenen Jahrzehnten hat die Kehrwoche an Bedeutung verloren: Hausverwaltungen beauftragen zunehmend professionelle Reinigungsfirmen, weil Mieter-Konflikte um nicht-eingehaltene Reinigungs­pläne eine der häufigsten Streit­quellen in WEGs und Mietverhältnissen sind. Wo die Kehrwoche noch praktiziert wird, gilt: ein Mieter darf die Aufgabe nicht einseitig kündigen, kann sie aber im Krankheitsfall an einen Vertreter abgeben oder gegen Aufpreis an die Reinigungsfirma der Hausverwaltung übertragen lassen.

Auf einen Blick

  • Per Mietvertrag, nicht per Gesetz vorgeschrieben
  • Verbreitet in BW, BY, Schweiz, im Norden selten
  • Streitanfällig, professionelle Reinigung wird häufiger

Wann wird kehrwoche benötigt?

Wer neu nach Baden-Württemberg, Bayern oder in die Schweiz zieht, kennt die Kehrwoche oft nicht und wundert sich über eine Tafel oder einen Plan im Treppenhaus. Wichtig wird das Thema beim Einzug in eine Mietwohnung mit gelebter Kehrwochen-Tradition: Der Mietvertrag oder die Hausordnung regelt, ob und wie oft man an der Reihe ist. Streit entsteht häufig, wenn Nachbarn unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was sauber bedeutet, oder wenn jemand die Woche schlicht ausfallen lässt. Relevant wird die Frage auch, wenn eine Hausverwaltung oder Eigentümergemeinschaft überlegt, die Kehrwoche ganz abzuschaffen und stattdessen eine professionelle Reinigungsfirma zu beauftragen, etwa weil es in einem gemischten Haus mit vielen Berufspendlern kaum noch gelingt, die Reihenfolge einzuhalten.

So läuft eine professionelle Kehrwoche ab

  1. 1

    Kehrwochenplan oder Tafel

    Im Treppenhaus hängt meist ein Plan oder eine drehbare Tafel, die anzeigt, welche Partei aktuell an der Reihe ist und wann die Woche endet.

  2. 2

    Umfang der Reinigung

    Dazu gehören typischerweise Treppenhaus, Hauseingang, Fenster im Gemeinschaftsbereich sowie im Winter Schneeräumen und Streuen, im Sommer Kehren des Gehwegs.

  3. 3

    Übergabe an den Nächsten

    Am Ende der Woche wird die Aufgabe formlos an die nächste Partei weitergegeben, meist einfach durch Umhängen der Tafel oder mündliche Absprache.

  4. 4

    Vertretung im Verhinderungsfall

    Wer krank ist oder verreist, darf die Kehrwoche in der Regel an einen Nachbarn, Angehörige oder gegen Bezahlung an eine Reinigungsfirma abgeben.

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    Folgen bei Nichteinhaltung

    Wird die Woche ausgelassen, drohen zunächst Ermahnungen durch die Hausverwaltung oder Nachbarn, in hartnäckigen Fällen auch eine Abmahnung laut Mietvertrag.

Was kostet kehrwoche?

Die Kehrwoche selbst kostet nichts, da sie unbezahlte Eigenleistung der Mieter ist, interessant wird der Kostenvergleich erst, wenn eine Hausverwaltung auf eine professionelle Reinigungsfirma umsteigt.

Kehrwoche (Eigenleistung)0 €
Professionelle Reinigung, kleines Haus (bis 6 Parteien)50 bis 80 € pro Monat
Professionelle Reinigung, größeres Haus (ab 8 Parteien)90 bis 120 € pro Monat

Der Wechsel von Kehrwoche zu professioneller Reinigung wird meist per WEG-Beschluss oder durch Änderung des Mietvertrags bzw. der Hausordnung beschlossen und über die Nebenkosten umgelegt.

Häufige Fragen zu Kehrwoche

Kann ein Mieter die Kehrwoche ablehnen?
Nein, wenn sie im Mietvertrag oder in der Hausordnung als Pflicht festgelegt ist, kann sie nicht einseitig verweigert werden. Bei dauerhafter Verhinderung, etwa durch Krankheit oder Alter, lässt sich meist eine Vertretung oder eine kostenpflichtige Übertragung an eine Reinigungsfirma vereinbaren.
Was passiert, wenn die Kehrwoche einfach übersprungen wird?
Zunächst weisen Nachbarn oder die Hausverwaltung meist informell darauf hin. Bleibt es dabei, kann die Hausverwaltung eine Ersatzreinigung beauftragen und die Kosten dem säumigen Mieter in Rechnung stellen, sofern der Mietvertrag das vorsieht.
Ist die Kehrwoche heute noch üblich?
In vielen Mehrfamilienhäusern in Baden-Württemberg und Bayern wird sie weiterhin praktiziert, insgesamt aber seltener als früher. Viele Hausverwaltungen beauftragen inzwischen professionelle Reinigungsfirmen, weil das weniger Konflikte verursacht und den Aufwand für alle reduziert.
Gibt es regionale Unterschiede bei der Kehrwoche?
Ja, die Tradition ist vor allem in Schwaben, Teilen Bayerns und der Deutschschweiz verwurzelt und dort auch namentlich bekannt. In Norddeutschland und vielen Großstädten ist sie kaum verbreitet, dort übernehmen meist von Anfang an beauftragte Reinigungsfirmen die Treppenhausreinigung.

Profi-Tipps

  • Beim Einzug in eine neue Mietwohnung in Süddeutschland gezielt nach der Kehrwochen-Regelung fragen, um Missverständnisse zu vermeiden.
  • Den Umfang der Kehrwoche schriftlich im Mietvertrag oder in der Hausordnung festhalten lassen, um Streit über den genauen Umfang zu vermeiden.
  • Bei Krankheit oder Abwesenheit frühzeitig eine Vertretung organisieren, statt die Woche kommentarlos ausfallen zu lassen.
  • Wird der Streit unter Nachbarn zu häufig, lohnt sich ein WEG-Beschluss oder eine Vertragsänderung hin zu einer professionellen Reinigungsfirma.

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