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Ratgeber & Kosten

Reinigungsangebote vergleichen: 9 Prüfpunkte

Warum Reinigungsangebote fast nie vergleichbar sind: alles auf Euro pro m² und Monat normieren, 9 Prüfpunkte und eine Bewertungsmatrix zur Vergabe.

11. September 20268 min LesezeitRedaktion Reinigungsvergleich
Frau mit Brille sitzt am Schreibtisch und prüft mehrere Dokumente nebeneinander

Reinigungsangebote werden erst dann vergleichbar, wenn Sie alle Preise auf dieselbe Einheit umrechnen: Euro pro Monat und Euro pro Quadratmeter und Monat. Solange ein Anbieter je Einsatz kalkuliert, der zweite eine Jahrespauschale nennt und der dritte einen Stundensatz, vergleichen Sie drei verschiedene Dinge. Genau darin liegt der Grund, warum Angebote für dasselbe Objekt oft um das Doppelte auseinanderliegen, ohne dass einer der Anbieter unseriös wäre. Dieser Ratgeber zeigt die Umrechnung Schritt für Schritt, nennt neun Prüfpunkte vor der Vergabe und liefert eine Bewertungsmatrix, die das Bauchgefühl ersetzt.

Warum Angebote fast nie vergleichbar sind

Es gibt keine verbindliche Angebotsform in der Gebäudereinigung. Jeder Betrieb kalkuliert auf der Grundlage seiner eigenen Aufmaße, seiner Flächenleistung und seiner Annahmen darüber, was Sie eigentlich bestellt haben. Fehlt eine gemeinsame Leistungsbeschreibung, entstehen vier Angebote mit vier verschiedenen Leistungsumfängen.

0,80 bis 2,50 €
Marktüblich pro m² und Monat bei wöchentlicher Reinigung
15,00 €
Branchenmindestlohn Lohngruppe 1 (Zoll, 10. GebäudeArbbV)
23 bis 25 €
Rechnerisch tragfähiger Stundensatz einer Reinigungsfirma

Die drei häufigsten Ursachen für scheinbare Preisunterschiede sind erstens abweichende Flächenangaben, weil der eine Betrieb Verkehrsflächen mitzählt und der andere nicht. Zweitens unterschiedliche Frequenzen, weil aus einer unklaren Anfrage einmal zwei und einmal drei Einsätze pro Woche geworden sind. Und drittens verschiedene Leistungstiefen: Sichtreinigung mit Blick auf frequentierte Bereiche kostet spürbar weniger als eine vollständige Unterhaltsreinigung aller Flächen. Der Einstieg in die marktüblichen Größenordnungen steht im Ratgeber zu den Kosten pro Quadratmeter.

Schritt 1: alles auf dieselbe Einheit bringen

Nehmen wir eine Bürofläche von 600 Quadratmetern mit einmal wöchentlicher Reinigung. Vier Angebote liegen vor, jedes in einer anderen Form.

AnbieterAngebot laut SchreibenEuro pro MonatEuro pro m² und Monat
A1,10 € pro m² und Monat660 €1,10 €
B155 € je Einsatz671 €1,12 €
C8.400 € pro Jahr700 €1,17 €
D24 € Stundensatz, 5 Std. je Einsatz520 €0,87 €

Zur Umrechnung von Einsatzpreisen auf Monatswerte rechnen Sie mit 4,33 Einsätzen im Monatsmittel, denn 52 Wochen verteilen sich auf zwölf Monate. Der scheinbar unschlagbare Anbieter D liegt danach 20 Prozent unter den anderen. Bevor Sie ihn beauftragen, lohnt der Blick auf die kalkulierte Zeit: Fünf Stunden je Einsatz für 600 Quadratmeter bedeuten 120 Quadratmeter pro Stunde. Ob das realistisch ist, hängt vollständig von der Raumstruktur ab. Ein offener Bürobereich lässt sich schneller reinigen als dieselbe Fläche in zwölf Einzelbüros mit Sanitärbereich.

Die 9 Prüfpunkte vor der Vergabe

  1. Gleiche Fläche. Vergleichen Sie die Quadratmeterangaben aller Angebote. Weicht eine Zahl um mehr als fünf Prozent ab, wurde anders aufgemessen, und der Preis pro Quadratmeter ist wertlos.
  2. Gleiche Raumgruppen. Büro, Sanitär, Küche, Verkehrsfläche und Lager haben völlig unterschiedliche Aufwände. Jede Gruppe muss in jedem Angebot einzeln auftauchen.
  3. Gleiche Frequenz. Zwei Einsätze pro Woche gegen drei ergeben rechnerisch einen Unterschied von 50 Prozent, sagen über die Qualität aber nichts aus.
  4. Leistungstiefe je Position. Wird gewischt, gesaugt, gewischt und desinfiziert, oder nur sichtgereinigt? Achten Sie besonders auf Sanitärbereiche, dort entstehen die meisten Reklamationen.
  5. Preisbasis. Netto oder brutto, pro Monat oder pro Einsatz, mit oder ohne Anfahrt. Rechnen Sie alles auf netto pro Monat um, bevor Sie überhaupt vergleichen.
  6. Verbrauchsmaterial. Seife, Papierhandtücher und Toilettenpapier sind ein eigener Kostenblock. Steht dazu nichts im Angebot, kommt die Position später als Nachtrag.
  7. Ausgenommene Leistungen. Glasreinigung, Grundreinigung, Bodenpflege und Sonderreinigungen werden fast immer separat berechnet. Lassen Sie sich die Preise dafür gleich mitgeben.
  8. Laufzeit und Kündigungsfrist. Üblich sind 12 bis 24 Monate Mindestlaufzeit und ein bis drei Monate Kündigungsfrist. Alles darüber ist ein Preisbestandteil, weil es Ihre Verhandlungsposition für Jahre festlegt.
  9. Qualitätssicherung. Vereinbarte Kontrollen, ein benannter Objektleiter und ein definierter Reklamationsweg entscheiden darüber, wie schnell Mängel abgestellt werden. Was dahintersteckt, erklärt der Lexikoneintrag zur Qualitätssicherung.

Wo sich Zusatzpositionen verstecken

Vier Posten tauchen regelmäßig erst auf der ersten Rechnung auf. Fragen Sie sie aktiv ab, bevor Sie unterschreiben.

PositionTypische RegelungWas Sie klären sollten
GlasreinigungNicht in der Unterhaltsreinigung enthaltenTurnus, Preis je Fensterseite, Innen und Außen
Grundreinigung der BödenEin bis zwei Termine pro JahrOb im Monatspreis enthalten oder separat
VerbrauchsmaterialWeiterberechnung nach VerbrauchPreisliste und wer nachbestellt
Vertretung bei KrankheitSelten geregeltOb eine Ersatzkraft gestellt wird und in welcher Frist

Eine besondere Rolle spielt die Preisgleitklausel. Sie erlaubt dem Betrieb, den Preis anzupassen, wenn der Branchenmindestlohn steigt, und ist in einem Gewerbe mit tariflich festgelegten Löhnen sachlich nachvollziehbar. Problematisch wird sie erst, wenn sie unbestimmt formuliert ist. Eine faire Klausel benennt den Auslöser, die Berechnungsgrundlage und eine Ankündigungsfrist. Eine unfaire Klausel lautet sinngemäß, der Preis könne bei gestiegenen Kosten angepasst werden, und lässt offen, um wie viel. Weitere Klauseln, auf die es im Vertrag ankommt, führt die Checkliste zum Unterhaltsreinigungsvertrag auf.

Wann ein günstiges Angebot zum Risiko wird

Rechnen Sie ein auffällig niedriges Angebot einmal auf den Stundenlohn zurück. Der Branchenmindestlohn in der Gebäudereinigung liegt in Lohngruppe 1 bei 15,00 Euro und in Lohngruppe 6 bei 18,40 Euro, festgelegt in der 10. Verordnung über zwingende Arbeitsbedingungen im Gebäudereinigerhandwerk und veröffentlicht beim Zoll. Das ist nicht der gesetzliche Mindestlohn, der 2026 bei 13,90 Euro liegt. Rechnet man Sozialabgaben, Urlaub, Ausfallzeiten, Material, Fahrzeug und einen kleinen Gewinnanteil dazu, ist ein Betrieb rechnerisch erst ab etwa 23 bis 25 Euro Stundensatz tragfähig.

Liegt ein Angebot deutlich darunter, gibt es dafür in aller Regel eine Erklärung, und sie ist selten angenehm: Subunternehmerketten ohne Qualitätskontrolle, zu knapp kalkulierte Zeiten, die im Betrieb dann zu Lasten der Gründlichkeit gehen, oder Personal unterhalb des Tarifs. Welche weiteren Signale auf Probleme hindeuten, zeigt der Ratgeber zu den Warnsignalen unseriöser Reinigungsfirmen.

Bewertungsmatrix statt Bauchgefühl

Wenn drei Angebote preislich dicht beieinander liegen, entscheidet nicht mehr der Cent, sondern die Zuverlässigkeit. Eine einfache gewichtete Matrix macht diese Entscheidung nachvollziehbar und lässt sich in wenigen Minuten ausfüllen. Bewerten Sie jedes Kriterium mit 1 bis 5 Punkten und multiplizieren Sie mit dem Gewicht.

KriteriumGewichtWoran Sie es festmachen
Preis nach Normierung40 %Euro pro m² und Monat, netto
Leistungstiefe und Vollständigkeit25 %Alle Raumgruppen und Positionen enthalten
Qualitätssicherung15 %Objektleiter, Kontrollturnus, Reklamationsweg
Vertragsbedingungen10 %Laufzeit, Kündigungsfrist, Preisgleitklausel
Erreichbarkeit und Referenzen10 %Ansprechpartner, Reaktionszeit, vergleichbare Objekte

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Angebote sollte ich einholen?
Drei bis vier reichen aus. Weniger liefert keinen belastbaren Marktvergleich, mehr erhöht vor allem Ihren Aufwand bei der Auswertung. Wichtiger als die Zahl ist, dass alle Anbieter dieselbe Flächenaufstellung und dieselbe Frequenzvorgabe erhalten haben.
Wie rechne ich einen Einsatzpreis auf den Monat um?
Multiplizieren Sie den Preis je Einsatz mit der Zahl der Einsätze pro Woche und dann mit 4,33. Dieser Faktor ergibt sich aus 52 Wochen geteilt durch zwölf Monate und verhindert den häufigen Fehler, mit vier Einsätzen zu rechnen und dabei rund acht Prozent zu unterschätzen.
Ist das günstigste Angebot immer das schlechteste?
Nein, aber es verdient die genaueste Prüfung. Ein niedriger Preis kann aus einer effizienten Routenplanung oder einer bereits vorhandenen Präsenz im Objekt stammen. Er kann aber auch aus zu knapp kalkulierter Zeit resultieren, und das zeigt sich erst nach einigen Wochen an der Qualität.
Was gehört in eine Angebotsanfrage?
Die Flächen nach Raumgruppen, die gewünschte Frequenz je Raumgruppe, die Zeitfenster für die Reinigung, Angaben zu Bodenbelägen sowie die Frage, ob Verbrauchsmaterial gestellt werden soll. Je vollständiger die Anfrage, desto weniger Nachträge entstehen später.
Wie erkenne ich eine faire Preisgleitklausel?
Sie benennt den Auslöser, meist die Erhöhung des Branchenmindestlohns, die Berechnungsgrundlage und eine Ankündigungsfrist von in der Regel einem bis drei Monaten. Klauseln, die eine Anpassung bei allgemein gestiegenen Kosten ohne jede Größenangabe zulassen, sollten Sie vor Vertragsschluss nachschärfen lassen.

Fazit: Erst normieren, dann bewerten

Der Vergleich von Reinigungsangeboten scheitert selten am Preis, sondern an der fehlenden gemeinsamen Grundlage. Rechnen Sie jedes Angebot auf Euro pro Quadratmeter und Monat um, prüfen Sie die neun Punkte von der Fläche bis zur Qualitätssicherung, und entscheiden Sie erst danach mit einer gewichteten Matrix. Wer zusätzlich vorab dieselbe Flächenaufstellung an alle Anbieter gibt, spart sich den größten Teil dieser Arbeit von vornherein.

Beantworten Sie 8 kurze Fragen, wir vermitteln Ihnen kostenlos passende Anbieter aus Ihrer Region, die auf derselben Grundlage kalkulieren.

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Redaktion Reinigungsvergleich
Unabhängige Redaktion
Veröffentlicht am 11. September 2026

Unsere Redaktion recherchiert unabhängig und prüft jeden Anbieter anhand eines dokumentierten Kriterienkatalogs (Versicherungsnachweis, Steuerunterlagen, Referenzkundengespräche), bevor er empfohlen wird. Wir veröffentlichen ohne bezahlte Platzierungen.

Schwerpunkte:Anbieter-Recherche & VerifizierungMarktdaten & PreisanalyseVerbraucher-RatgeberB2B-Gewerbereinigung

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